Evangelische Kirchengemeinde Müncheberger Land
 

Müncheberg

Da keine urkundliche Nachricht vorliegt, wird angenommen, dass die Stadtgründung Münchebergs um 1224 auf Veranlassung des schlesischen Klosters Leubus erfolgte. Am Beginn der Gründung hieß das Zisterzienserkloster noch „Lubes“. Herzog Heinrich der Erste hatte diesem und dem Nonnenkloster Trebnitz zusammen 400 Hufen Landes mit der Maßgabe überwiesen, einen Marktort zu begründen. Etwa 1245 wandelte man den Namen der Siedlung Lubes in „Monichberch“ um. 1355 wurden die ersten Ratsmannen („consules“) ernannt. 1253 musste das Kloster Leubus die Stadt „Monekeberch“ an den Erzbischof Rudolf von Magdeburg abtreten. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts übten die askanischen Markgrafen zunehmend Einfluss auf Müncheberg aus. 

1355 wurde erstmalig urkundlich die Pfarrkirche erwähnt.

Die der Jungfrau Maria geweihte Stadtpfarrkirche wurde aus Granitquadern in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet. Schrittweise wurde der Bau vervollkommnet.


Grundriss Stadtpfarrkirche Müncheberg, Lit. 1


Kirche Müncheberg um 1900 (Südseite), Lit 1

Zwischen 1817 und 1829 wurde die Kirche nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel umgestaltet, dabei erhielt sie einen freigestellten quadratischen Backsteinturm. 

In Brandenburg begann der Prozess der Reformation ziemlich spät. Erst 1539 trat Kurfürst Joachim II. (reg. 1535-1571) mit der Einnahme des Abendmahls in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) zum lutherischen Bekenntnis über und gab damit den Startschuss zum offiziellen Reformationsbeginn. 

Zur Zeit der Reformation wurde eine unter städtischer Kontrolle stehende Kirchenkasse gebildet, „gemeiner Kasten“ genannt, aus dem der Pfarrer bezahlt wurde.

Der erste evangelische Pfarrer in Müncheberg war der 1567 vom Kurfürsten berufene Blasius Bethinus.

Wenn wir die beiden Bilder vom Inneren der Stadtpfarrkirche aus der Zeit vor dem Weltkrieg betrachten, so können wir erahnen, was Krieg und Zerstörung anrichten und was an Werten menschlicher Arbeit unwiederbringlich verloren gegangen ist. 

Stadtpfarrkirche Inneres 1936, © fg


Stadtpfarrkirche Inneres 40-er Jahre, © fg



Am 19. April 1945 wurde  durch die verheerenden Bombardements sowie durch die erbitterten Kämpfe um und in der Stadt Müncheberg diese zu 95% zerstört und fiel in die Hände der sowjetischen Armee. Damit war das  Schicksal der Stadt besiegelt. Die Stadtpfarrkirche wurde bis auf einen Teil der Außenmauern zerstört. Über 46 Jahre war die Ruine zum schrittweisen Verfall verurteilt. Die folgenden Bilder legen Zeugnis über diese lange Zeit ab.


Müncheberg Kirchenruine, © eh


Müncheberg Kirchenruine von Süden, © fg

   

Müncheberg Kirchenruine 1992 von Westen, © eh


Müncheberg Kirchenruine von Süden, © fg





Müncheberg Kirchenruine von Osten, © fg



Müncheberg Kirche Innenraum von West, © fg

Wenn man Ihnen die Frage stellen würde, ob Sie solch einen "Bruchhaufen" wieder zu einem Gotteshaus umwandeln wollen, hätten Sie den Mut zum Ja sagen? 
Der Bundeswehroffizier Oberstleutnant Wilhelm Wessling hatte den Mut und gab 1991 den Anstoß, sich dieser schier unlösbaren Aufgabe zu stellen und die Kirche wieder zugänglich zu machen. Er hatte von der ersten Stunde an unermüdliche Mitstreiter, von denen stellvertretend für viele andere solche wie Gerhard Scholle, Hubert Müller, Klaus Stieger und Karl Schönfeld genannt seien. Mit einem beispielhaften Aufbauwillen fanden sich viele Aktive und Spender und Helfer, um die Folgen eines verbrecherischen Krieges zu beseitigen und aus den Ruinen unser heutiges Gotteshaus wieder erstehen zu lassen.
Das Ergebnis der Aufbauanstrengungen ist ein Haus, welches der Kirchengemeinde, der Stadt und dem Förderverein als Heimstätte für ihre vielfältigen Aktivitäten dient. Gemeinsamkeit lautet denn auch das Motto, nach dem hier erfolgreich gearbeitet wird. Neben der Nutzung der Kirche entsprechend ihrem eigentlichen Ziel als Gotteshaus, wurde und wird für die Einwohner Münchebergs und vieler Gäste aus der Region und darüber hinaus bis aus aller Welt eine große Zahl kultureller Veranstaltungen, Ausstellungen, Treffen, Feiern u. a. angeboten. Dieses Modell der Nutzungskonzeption eines solchen Gebäudes ist beispielhaft für Deutschland.


Müncheberg Kirche am Tag, © fg

 




Müncheberg Kirche am Abend, © eh











Müncheberg Kirche Einbau, © fg


Ob Sie am Tag oder am Abend unsere schöne Müncheberger Stadtpfarrkirche betreten und im Kirchenschiff Platz nehmen, Sie können , wenn Sie zur Ruhe gekommen sind, eine nicht alltägliche Erfahrung machen, die Ihnen die Unvergänglichkeit unseres Gotteshauses zu Bewußtsein bringen wird.
Dazu richten Sie Ihren Blick auf das rekonstruierte Epitaph im Altarraum rechts vorne.



Kirche Müncheberg Epitaph Bethinus, © kg


Kirche Müncheberg Epitaph Bethinus , Lit 1

    

Das linke Bild zeigt uns den heutigen Zustand des Epitaphs. Auch wenn wir erkennen müssen, dass vieles nicht mehr dem ursprünglichen Bilde unseres ersten evangelischen Pfarrers gleichzusetzen ist, so ahnen wir doch und das wird uns zur Gewissheit, dass aus Vergangenem die Kraft zum Neubeginn geschöpft werden kann, so wie das in Müncheberg geschehen ist. 
Neues Leben ist aus Ruinen entstanden, sogar an den äußersten Winkeln des Schinkelturms!


Müncheberg Neues Leben an der Turmkuppel, © BAGOM